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Schwarzes Brett

Unstatistik des Monats: „Todesfalle Landwirtschaft"
Berichterstattung in der Tagesschau über den Zusammenhang von Feinstaub und vorzeitigen Todesfällen

(Quelle: RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung / Stand: 08.02.2019)

Schweine sind gefährlicher als Diesel-Autos: Rund 50.000 Menschen sterben vorzeitig Jahr für Jahr in Deutschland an den Emissionen der Landwirtschaft (insbesondere der Massentierhaltung) errechnet das Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie. Das seien 45 Prozent und damit der größte Teil der jährlich knapp 120.000 vorzeitigen Todesfälle durch Feinstaub – doppelt so viele wie bisher angenommen. Für die Tagesschau ist damit klar, dass Feinstaub ebenso gefährlich ist wie Rauchen.

Doch das Konzept der „Anzahl vorzeitiger Todesfälle" ist ein Musterbeispiel einer Unstatistik. Zunächst stirbt in Deutschland kein einziger Mensch an Feinstaub, sondern an Erkrankungen, die durch Feinstaub (mit) verursacht sein können, es aber nicht sein müssen. Das Max-Planck-Institut untersucht auch gar nicht, ob Feinstaub die Gesundheit von Menschen beeinflusst, sondern setzt voraus, dass dies der Fall ist und darüber hinaus sogar quantifiziert werden kann. Dabei handelt es sich aber nicht um gemessene Fakten, sondern um Modellergebnisse, die auf Annahmen beruhen und eine hohe Unsicherheit von mindestens +/- 50 Prozent aufweisen. Warum ist das so?

Der Grund ist, dass man nicht weiß, wie viele Menschen vorzeitig verstorben sind, sondern nur, um wieviel kürzer sie im Schnitt gelebt haben. Man kann lediglich versuchen, die Anzahl der vorzeitig Verstorbenen herzuleiten. Hierzu sucht man eine Formel, die ein plausibles Ergebnis für den beobachteten Unterschied der Lebensdauer liefert.

Es bleibt unklar, wie Unterschiede in der Lebensdauer zustande kommen

Diese Formel ist die „Attributable Fraktion". Sie wird oft verwendet, sieht kompliziert aus und mag in manchen Situationen auch zu den Daten passen. Nur – niemand weiß, ob sie tatsächlich stimmt. Die Datenbasis solcher epidemiologischen Studien sind zusammenfassende Statistiken über Gruppen von Menschen, die zeigen, dass (manche, nicht alle) Gruppen mit hoher Feinstaub-Exposition im Durchschnitt kürzer gelebt haben als (manche, nicht alle) Gruppen mit niedriger Exposition. Selbst wenn diese Gruppen in allen anderen Merkmalen identisch wären, so wie Zwillinge, gibt es immer noch verschiedene Möglichkeiten, wie der Unterschied zustande kommen kann.

Stirbt jeder Mensch in der belasteten Gruppe um ein Jahr früher, so lebt die belastete Gruppe auch im Durchschnitt ein Jahr kürzer. Nehmen wir beispielsweise drei Zwillingspärchen: Zwillingspaar eins stirbt mit 79 bzw. 78 Jahren, Paar zwei mit 80 bzw. 79 Jahren und Paar drei mit 81 bzw. 80 Jahren. Drei Personen leben kürzer und im Durchschnitt lebt die belastete Gruppe ein Jahr kürzer. Nehmen wir nun alternativ an, dass die belasteten und unbelasteten Zwillinge der Paare eins und zwei exakt gleichlang leben. Nur Paar drei unterscheidet sich: Einer stirbt mit 81 Jahren, der andere mit 78. Dann gibt es nicht drei vorzeitige Todesfälle, sondern nur einen, aber im Durchschnitt lebt die belastete Gruppe ebenfalls ein Jahr kürzer. Bei Tausenden oder gar Millionen von Menschen steigt die Zahl möglicher Kombinationen massiv an.

Deshalb ist zwar eine Aussage über die durchschnittliche Zahl verlorener Lebensjahre pro Person vernünftig, aber eine Aussage über die Zahl vorzeitiger Todesfälle durch Feinstaub ist es nicht. Denn letztere kann viel kleiner sein oder auch viel größer, als uns diese Unstatistik glauben macht. Wer wie die Tagesschau suggeriert, das Max-Planck-Institut hätte nun durch präzise Berechnungen widerlegt, was man zuvor nur angenommen hat, der handelt mindestens grob fahrlässig.

Mit der „Unstatistik des Monats" hinterfragen der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer und RWI-Vizepräsident Thomas K. Bauer jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen. In diesem Monat hat Gastautorin Katharina Schüller, Geschäftsleiterin und Gründerin von STAT-UP, die „Unstatistik" verfasst.

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RWI trauert um Bernhard Filusch
(Quelle: RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung / Stand: 08.02.2019)

Das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung trauert um Bernhard Filusch. Das ehemalige Direktoriumsmitglied des Instituts verstarb am 5. Februar 2019 im Alter von 93 Jahren. Bernhard Filusch war bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahr 1986 mehr als 30 Jahre lang im Institut tätig. Als Leiter der Konjunkturabteilung und als wissenschaftlicher Direktor prägte er maßgeblich die Arbeit des RWI. Seine besonderen Forschungsinteressen galten dem Bereich der Konjunktur-beobachtung und -diagnose, in dem er hohe Anerkennung in der Wissenschaft und in der wirtschaftspolitischen Beratung gefunden hat.

Ansprechpartnerin dazu: Sabine Weiler (Pressestelle), Tel. (0201) 81 49-213

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Nach DBMB-Sanierung: Führungen durch die Rundgänge 1 & 2 der neuen Dauerausstellung
(Quelle: Deutsches Bergbau-Museum Bochum / Stand: 08.02.2019)

Nach zweijähriger Umbauzeit öffnen in diesem Monat die ersten beiden der insgesamt vier neuen Rundgänge der neuen Dauerausstellung. Gut 1.150 Objekte erzählen dann in Rundgang 1 „Steinkohle – Motor der Industrialisierung" und Rundgang 2 „Bergbau – Steinzeit mit Zukunft" die Geschichte(n) des Bergbaus. Während sich der erste Rundgang mit der Geschichte der deutschen Steinkohle beschäftigt, setzt sich der zweite Rundgang mit den Beziehungen zwischen Mensch und Bergbau weltweit epochen- und spartenübergreifend auseinander. Führungen finden jeweils samstags und sonntags statt.

Führung Rundgang 1

Der erste Rundgang der neuen Dauerausstellung nimmt Sie mit auf eine Reise in die Geschichte der deutschen Steinkohle. Beginnend mit der Entstehung der Steinkohle, über die Entwicklung einer bergbaugeprägten Industrieregion bis hin zu Technikentwicklung und dem Leben und Arbeiten über und unter Tage mündet er im Strukturwandel und der Zeit des Nachbergbaus.

Die nächsten Termine:
Sonntag, 10. Februar 2019, 13.45 - 16.00
Samstag, 16. Februar 2019, 13.45 - 16.00
Sonntag, 17. Februar 2019, 13.45 - 16.00
Samstag, 23. Februar 2019, 13.45 - 16.00
Sonntag, 24. Februar 2019, 13.45 - 16.00
Samstag, 02. März 2019, 13.45 - 16.00
Sonntag, 03. März 2019, 13.45 - 16.00
Samstag, 09. März 2019, 13.45 - 16.00
Sonntag, 10. März 2019, 13.45 - 16.00
Samstag, 16. März 2019, 13.45 - 16.00

Durchführung: jeweils Sa und So um 13:45 Uhr und 15:00 Uhr
Dauer: ca. 1 Stunde
Kosten: 3,00 € pro Person zzgl. Eintritt
Anmeldung: ausschließlich am Tag des Besuchs an der Kasse möglich
max. Teilnehmerzahl: 20 Personen

 

Führung Rundgang 2
Die Beziehung zwischen Mensch und Bergbau von der Steinzeit bis in die Gegenwart wird zukünftig im zweiten Rundgang unserer neuen Dauerausstellung thematisiert. Er zeigt die Verbindung von Rohstoffgewinnung und gesellschaftlichen sowie technischen Entwicklungen und verdeutlicht, welchen Einfluss die Gewinnung, Förderung, Veredelung und Nutzung von Rohstoffen auf kultur-, sozial- und wirtschaftsgeschichtliche Bereiche genommen hat – epochenübergreifend und weltweit.

Die nächsten Termine:
Sonntag, 10. Februar 2019, 11.45 - 14.15
Samstag, 16. Februar 2019, 11.45 - 14.15
Sonntag, 17. Februar 2019, 11.45 - 14.15
Samstag, 23. Februar 2019, 11.45 - 14.15
Sonntag, 24. Februar 2019, 11.45 - 14.15
Samstag, 02. März 2019, 11.45 - 14.15
Sonntag, 03. März 2019, 11.45 - 14.15
Samstag, 09. März 2019, 11.45 - 14.15
Sonntag, 10. März 2019, 11.45 - 14.15
Samstag, 16. März 2019, 11.45 - 14.15

Durchführung: jeweils Sa und So um 11:45 Uhr und 13:15 Uhr
Dauer: ca. 1 Stunde
Kosten: 3,00 € pro Person zzgl. Eintritt
Anmeldung: ausschließlich am Tag des Besuchs an der Kasse möglich
max. Teilnehmerzahl: 20 Personen

 

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Keine Angst vor der Einschulung! Wer in seiner Klasse zu den Jüngsten gehört, schneidet in der Schule häufig schlechter ab – später aber nicht mehr
(Quelle: RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung / Stand: 10.02.2019)

Viele Eltern machen sich heute Sorgen, dass ihr Kind zu jung für die Einschulung sei. Tatsächlich schneiden jüngere Schulkinder in Tests in Mathematik und Deutsch durchschnittlich schlechter ab als ihre älteren Klassenkameraden. Dieser Unterschied ist jedoch größtenteils auf die Schulzeit begrenzt. Im Erwachsenenalter bleiben kaum Nachteile bestehen – lediglich beim Wortschatz zeigen sich langfristige Effekte. Dies hat ein Forscherteam der Freien Universität Berlin und des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung herausgefunden.

Die wichtigsten Ergebnisse:

* Das Alter bei der Einschulung hat im späteren Leben keinen Einfluss auf die Kompetenzen in Mathematik oder das Textverständnis. Eine Ausnahme: Wer in der Klasse zu den Jüngsten gehörte, hat im Erwachsenenalter durchschnittlich einen kleineren Wortschatz.

* Die jüngeren Kinder in der Klasse gehen im Durchschnitt seltener auf ein Gymnasium. Dies könnte auch eine Erklärung für den geringeren Wortschatz sein. Während die Basiskompetenzen in Mathematik und Leseverständnis in allen Schulformen der Sekundarstufe gleichermaßen vermittelt werden, wird der Wortschatz im Gymnasium vermutlich stärker trainiert.

* Trotz der unterschiedlichen Schullaufbahn wirkt sich das Einschulungsalter nicht auf spätere Bildungsabschlüsse aus. Das heißt, dass jünger eingeschulte Kinder zwar seltener Abitur machen, jedoch genauso häufig studieren oder eine duale Berufsausbildung absolvieren wie ihre älteren Mitschüler.

* Da der höchste berufliche Abschluss in Deutschland für den beruflichen Erfolg und das Einkommen eine wichtigere Rolle spielt als der Schulabschluss, dürften die Auswirkungen des Einschulungsalters auf den Arbeitsmarkterfolg eher gering sein. Das bestätigen auch Studien aus Skandinavien, wonach sich die über den Lebenszyklus erzielten Löhne nicht zwischen Erwachsenen unterscheiden, die zu den Jüngsten oder den Ältesten in der Klasse gehörten.

„Die schulischen Nachteile eines jungen Einschulungsalters spielen keine Rolle mehr, wenn die Kinder älter werden. Sie sind im Erwachsenenalter unbedeutend für die erworbenen Basiskompetenzen, die wiederum maßgeblich für den Arbeitsmarkterfolg sind", sagt Koautorin Katja Görlitz, Juniorprofessorin an der FU Berlin und Mitglied des RWI Research Network. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass sich Eltern bei normalem Entwicklungsstand ihres Kindes unbesorgt für eine reguläre Einschulung entscheiden können, auch wenn ihr Kind damit zu den Jüngsten in der Klasse gehört."

Für ihre Untersuchung nutzten die Wissenschaftler deutsche Befragungsdaten des Nationalen Bildungspanels von Erwachsenen im Alter zwischen 23 und 71 Jahren. Die Befragten mussten Testaufgaben in Mathematik, Leseverständnis und dem Wortschatz lösen, die je nach Fragestellung zwischen 4.000 und 6.000 Teilnehmenden gestellt wurden.

Über das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung
Das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung ist ein führendes Zentrum für wissenschaftliche Forschung und evidenzbasierte Politikberatung in Deutschland und Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Institut informiert mit seinen Arbeiten über ökonomische Entwicklungen und deren Ursachen, erleichtert Politik und Unternehmen sachgerechte Entscheidungen und fördert in der Öffentlichkeit das Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge. Die Forschungsarbeiten des RWI – gestützt auf neueste theoretische Konzepte und moderne empirische Methoden – reichen vom Individuum bis zur Ebene der Weltwirtschaft, bearbeitet von vier Kompetenzbereichen: „Arbeitsmärkte, Bildung, Bevölkerung", „Gesundheit", „Umwelt und Ressourcen" sowie „Wachstum, Konjunktur, Öffentliche Finanzen".

Ansprechpartnerinnen: Prof. Dr. Katja Görlitz, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!;">Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!; Sabine Weiler (Pressestelle), Tel.: (0201) 81 49-213

>> Ruhr Economic Paper #792 „The long-term effect of age at school entry on competencies in adulthood"


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Kohleausstieg braucht klaren Zeitrahmen und Mut – IAT-Studie für den WWF zu Erfahrungen im Ruhrgebiet
(Quelle: Institut Arbeit und Technik /Stand: 08.02.2019)

Der anstehende Ausstieg aus der Braunkohlewirtschaft in den drei noch bestehenden Kohlerevieren braucht einen klaren Zeitrahmen und politischen Mut, die betroffenen Regionen frühzeitig beim Wandel zu unterstützen. In einer aktuellen Studie für den WWF Deutschland hat das Institut Arbeit und Technik (IAT/Westfälische Hochschule Gelsenkirchen) die Erfahrungen aus dem Strukturwandel im Ruhrgebiet analysiert. „Die Erfolgsfaktoren, die für Deutschland bzw. das Ruhrgebiet gelten, müssen nicht selbstverständlich auch für andere Regionen oder Länder Gültigkeit haben, geben aber wichtige Hinweise, wie ein Strukturwandel ohne soziale Verwerfungen gestaltet werden kann" stellen die Autoren Elke Dahlbeck und Dr. Stefan Gärtner fest.

Sie plädieren für einen frühzeitig eingeleiteten Pfadwandel, was z. B. für Bergbauregionen bedeute, den Kohlebergbau langsam zu beenden, damit Ressourcen (z. B. Flächen, Personal, Fort- und Weiterbildung sowie Forschung und Entwicklung) für andere Entwicklungen zur Verfügung stehen. Die über Jahrzehnte entstandene industriell-kulturelle Basis könne dabei wesentlich zur Neuausrichtung beitragen.

Während aber die etablierten Branchen häufig gute Gewinne erwirtschafteten, generieren die neu entstehenden Sektoren häufig zunächst geringere Gewinne und starten evtl. mit schlecht bezahlten und unsicheren Beschäftigungsverhältnissen. „Diese Aussicht macht es für Gewerkschaften, Wirtschaft und die öffentliche Hand schwer, etablierte Pfade zu verlassen und den Strukturwandel aktiv zu gestalten", wissen die Autoren. Auch kann nicht davon ausgegangen werden, dass in allen drei betroffenen Regionen eine Reindustrialisierung im gleichen Umfang wie heute gelingt. Daher sollten die handelnden Akteure langfristig planen, sich jedoch der Begrenztheit vorausschauender Strategien bewusst sein.

Der Strukturwandel weg von der Braunkohle, hin zu nachhaltigen Wirtschaftsaktivitäten, von denen Mensch und Klima profitieren, braucht zudem die Zusammenarbeit einer Vielzahl von Akteuren auf unterschiedlichen politischen und räumlichen Ebenen. Somit ist hier eine Multilevel-Governance gefordert. Auch Unternehmen sowie Gründerinnen und Gründer sollten in den Prozess miteinbezogen werden, da sie als Praktiker die Implikationen für die Wirtschaft und auf die Beschäftigung sehr gut beurteilen können. Weiterhin müssen die Hochschulen und Forschungseinrichtungen auf der Projektebene einbezogen werden, da sie die Gatekeeper von spezifischem Wissen sind.

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