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Schwarzes Brett

Unstatistik: Lungenkrebs-Screening rettet Leben
(Quelle: RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung / Stand: 09.03.2020)

Die „ÄrzteZeitung" gibt bekannt: "Lungenkrebs-Screening per Low-dose-CT rettet Leben". Springer Medizin berichtet, CT-Screening reduziere die Lungenkrebssterblichkeit um 24 Prozent bei Männern, bei Frauen sogar um 35 Prozent. Der Standard empfiehlt: „Raucher in die Röhre schicken", denn vor allem diese würden von der Low-Dose-Computertomografie als Früherkennungsmaßnahme profitieren. „Das wären für Österreich mehr als 1.000 gerettete Menschenleben jährlich", erklärt APA-Science. Eine Flut von Pressemeldungen erklärt, dass nun bewiesen sei, dass Lungenkrebs-Screening Leben rette und man deshalb für die flächendeckende Einführung Milliarden ausgeben sollte.

Diese enthusiastischen Meldungen beziehen sich auf die NELSON-Studie (de Koning, The New England Journal of Medicine 2020), an der 13.195 Männer (und 2.594 Frauen) zwischen 50 und 74 Jahren teilnahmen. Alle waren derzeit oder früher einmal Raucher. Sie wurden zufällig in Gruppen aufgeteilt; die einen erhielten Screening auf Lungenkrebs mit CT (Computertomographie), die anderen nicht. Nach zehn Jahren wurde ermittelt, ob Leben gerettet wurden. Was war das Ergebnis? Die Ergebnisse der NELSON-Studie kann man einfach verständlich machen, indem man je 1.000 Personen in der Screening- und in der Kontrollgruppe betrachtet. Sehen wir uns einmal die Männer an: Nach zehn Jahren waren 24 Männer mit der Diagnose Lungenkrebs in der Screening-Gruppe gestorben, in der Kontroll-Gruppe waren es 32. Das ist der berichtete Wert einer um 25 Prozent verringerten Sterblichkeit. Keines der genannten Medien berichtete jedoch, dass in der Kontrollgruppe insgesamt 130 Personen starben und in der Screening-Gruppe 132 (in der Zusammenfassung der NELSON-Studie wird das auch nicht erwähnt). Im Klartext heißt das, insgesamt wurde kein Leben gerettet. In der Screening-Gruppe starben zwar weniger Menschen mit der Diagnose Lungenkrebs, dafür mehr mit einer anderen Krebsdiagnose. Insgesamt gab es keinen Unterschied. Die Anzahl der Menschen, die an Krebs (einschließlich Lungenkrebs) verstorben sind, ist die zuverlässigere Größe, genau wie die Gesamtsterblichkeit. Die spezifische Todesursache ist oft schwer festzustellen, beispielsweise wenn eine Person gleichzeitig Krebs in mehreren Organen hat.

Die Autoren der NELSON-Studie berichten selbst, dass die Experten bei der Beurteilung, ob die Todesursache Lungenkrebs war, nur in 86 Prozent der Fälle übereinstimmten. Unter den Männern, die sich einem Lungenkrebs-Screening mit CT unterzogen hatten, starben genauso viele an Krebs (einschließlich Lungenkrebs) wie unter jenen ohne Screening. Weder in der Krebssterblichkeit noch in der Gesamtsterblichkeit hat die NELSON Studie einen signifikanten Unterschied gefunden.

Ehrliche Berichterstattung sollte auch Gesamtsterblichkeit erwähnen
Wie würde eine ehrliche Berichterstattung aussehen? Etwa so: „Die NELSON-Studie zeigte, dass von je 1.000 Männern in der Screening-Gruppe acht weniger mit der Diagnose Lungenkrebs verstorben sind (von 32 auf 24). Dafür starben in der Screening-Gruppe mehr Personen mit einer anderen Krebsdiagnose, und auch die Gesamtsterblichkeit war gleich. Es gibt keinen Beleg, dass Lungenkrebs-Screening Leben rettet." Die derzeit gefeierte NELSON-Studie ist nur eine Episode in einer langen Geschichte der Irreführung der Öffentlichkeit über den Nutzen von Krebs-Screening.

Es ist bis heute kein einziges Krebs-Screening bekannt, das die Krebssterblichkeit (alle Krebse) oder die Gesamtsterblichkeit reduziert (V. Prasad, British Medical Journal, 2016, 352). Ein flächendeckendes Lungenkrebs-Screening würde jährlich Milliarden kosten, die man an anderer Stelle braucht. Schlimmer noch: Diese Investition würde den Patienten nichts nützen. Vorsorge hilft, Früherkennung kaum. Wenn man bereits in den Schulen junge Menschen risikokompetent machen würde, so dass sie verstehen, wie sie später zum Rauchen verführt werden, würde das wirklich Leben retten. Bildung ist die beste Vorsorge. Aber dafür wird kaum Geld bereitgestellt.

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Corona im Kanal? Keine Panik! Aber Vorsicht.
(Quelle: IKT – Institut für Unterirdische Infrastruktur / Stand: 28. Februar 2020)

Das neue Coronavirus SARS-CoV-2 beschäftigt gerade alle. Mitarbeiter/-innen von Abwasserbetrieben diskutierten im IKT über notwendige Schutzmaßnahmen im Zusammenhang mit der Coronavirus-Epidemie. Auch Abwassernetzbetreiber und Dienstleister machen sich Sorgen. Sie fragen sich berechtigterweise, ob infizierte Menschen das Virus ausscheiden und ob es sich dann im Abwasser wiederfindet. Kann man sich am Abwasser anstecken? Wie können das eigene Personal und deren Angehörige bestmöglich geschützt werden? Dass sich Krankheitserreger über die menschlichen Ausscheidungen und über das Abwasser verbreiten, ist altbekannt. Deshalb gibt es ja schließlich die Kanalisation. Es besteht also grundsätzlich kein Grund zur Panik. Darin sind sich die Vertreter/-innen von Abwassernetzbetreibern, die jetzt im IKT an einer Sitzung des Arbeitskreises „Kanalbetrieb" des Kommunalen Netzwerks Abwasser (KomNetABWASSER) teilnahmen, einig.

Kommunen beraten ad hoc im KomNetABWASSER
Dipl.-Ing. Marco Schlüter rät dem Personal im Kanalbetrieb zu besonderer Sorgfalt und Vorsicht. Das Kommunale Netzwerk wurde von Abwasserbetrieben gefragt, inwieweit man die Mitarbeiter im Kanal- und Kläranlagenbetrieb noch bedenkenlos für Reinigungsarbeiten in unterirdischen Becken, im Kanalnetz und auf Kläranlagen einsetzen kann. Dipl.-Ing. Marco Schlüter, Leiter des KomNetABWASSER, setzte das Thema unmittelbar auf TOP 1 der Arbeitskreissitzung und fasste anschließend die Diskussion der 30 Kanalbetriebsmanager/-innen zusammen: „Der Bundesgesundheitsminister hat für Deutschland den Ausbruch der Epidemie festgestellt. In dieser Situation ist es für die öffentliche Gesundheit besonders wichtig, dass die Kanalisation weiterhin zuverlässig funktioniert. Voraussetzung um dies zu gewährleisten ist gesundes Betriebspersonal. Einig waren sich die Abwasserbetriebe, dass drei Punkte in der aktuellen Situation zu beachten sind: Erstens besondere Sorgfalt beim Arbeitsschutz, zweitens sollten unnötige Risiken aktuell vermieden werden und drittens sind natürlich die üblichen Hygiene-Empfehlungen konsequent zu beachten."

Risiken analysieren
Das Robert Koch-Institut (RKI), das in Deutschland für die Risiko¬bewertung von Infektions-krankheiten zuständig ist, geht zwar aktuell weiter davon aus, dass die Gefahr für die deutsche Bevölkerung gering bis mäßig ist. Doch Kanalarbeiter sind einem potenziell infektiösen Medium ausgesetzt, wissen die anwesenden Fachleute. Ihr Risiko ist somit wahrscheinlich höher als das der Durchschnittsbevölkerung. Und sie kehren nach Feierabend zu ihren Familien zurück, treffen sich mit Freunden, plaudern mit Kollegen auf dem Flur. Und die wiederum...

Anlagen müssen laufen!
Allerdings können nicht einfach alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Kanalkontakt auf unbestimmte Zeit nach Hause geschickt werden. Prof. Dr.-Ing. Bert Bosseler, Wissenschaftlicher Leiter des IKT, gibt zu bedenken, dass die Abwasserbetriebe in der Verantwortung sind, die Infrastrukturleistung der Abwasserbeseitigung sicherzustellen. Es gehe zwar um die Gesundheit der Mitarbeiter/-innen und deren Angehörigen, aber eben auch um den Schutz der Bevölkerung. „Die Anlagen müssen laufen, sonst bekommen wir noch ganz andere hygienische Probleme", sagt Bosseler.

Schutzausrüstung 100 Prozent nach Lehrbuch
Einhelliger Tenor der Anwesenden: Keine Panik! Wichtig sei es, die Mitarbeiter/-innen zu sensibilisieren und dazu anzuhalten auf ihr eigenes Verhalten zu achten, das Wissen um Arbeitsschutz aufzufrischen, nicht unmittelbar notwendige Arbeiten auszusetzen und – ganz wichtig – die Schutzmaßnahmen 100 Prozent nach Lehrbuch durchzuführen. „Das heißt: Immer die vorgeschriebene Schutzkleidung tragen, nie im Arbeitsbereich essen, trinken oder rauchen, häufiges Händewaschen und Desinfizieren, die einschlägigen Regeln wie TRBA 220 und DGUV 103-003 genau beachten", zählt Marcel Goerke, M.Sc., Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Experte für Arbeitssicherheit im IKT, die angeratenen Maßnahmen und Verhaltensregeln auf. Offen blieb die Frage, was passiert, wenn sich die Schutzmaßnahmen aufgrund von Lieferengpässen nicht mehr durchführen lassen. Schließlich kommen die meisten Produkte aus China, und niemand weiß, wie sich die Versorgungslage mit wichtigen Produkten in den nächsten Wochen entwickelt. Schutzanzüge der Schutzklasse 3 seien noch zu bekommen, hieß es aus den Reihen der Teilnehmer/-innen, aber bei Atemmasken der Klasse FFP3 müsse man schon jetzt mit längeren Lieferzeiten rechnen.

Auf drei Grundsätze konnten sich die Teilnehmer/-innen einigen:
• Sorgfalt beim Arbeitsschutz!
• Unnötige Risiken vermeiden!
• Übliche Hygiene-Empfehlungen konsequent beachten!
Ansonsten: Keine Panik! Aber Vorsicht.

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Lebenslang lernen – wer soll das bezahlen? IAQ: Reformvorschläge zur öffentlichen Finanzierung von Weiterbildung
(Quelle: Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) / Stand: 09.03.2020)

Berufliche Weiterbildung wird immer wichtiger. Um in Zeiten von Globalisierung und Digitalisierung mithalten zu können, werden wir alle lebenslang lernen, Qualifikationen immer wieder auffrischen oder sogar einen neuen Beruf erlernen müssen. Aber wer zahlt die Kosten? Jede*r für sich – weil anschließend mehr zu verdienen ist? Oder der Staat – weil ein öffentliches Interesse besteht, kostenträchtige Langzeitarbeitslosigkeit zu vermeiden, Fachkräftemangel zu beheben oder Strukturkrisen zu heilen? Prof. Dr. Gerhard Bosch vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen (UDE) hat Reformvorschläge zur öffentlichen Finanzierung von Weiterbildung ausgearbeitet.

Dafür hat er Stärken und Schwächen unterschiedlicher Förderinstrumente an Hand der Erfahrungen in Schweden, Frankreich und Österreich und ihre Anschlussfähigkeit an die deutsche Förderkulisse untersucht. Bosch plädiert dafür, an bestehende Strukturen anzuknüpfen und diese weiterzuentwickeln: Für Weiterbildung gibt es hier Leistungen einerseits nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) und nach dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG), auch "Meister-BAföG" genannt, und andererseits durch die Arbeitsmarktpolitik, also die Bundesagentur für Arbeit und die Jobcenter. Mit diesen beiden „großen Tankern" verfüge Deutschland über in der Bevölkerung bereits gut bekannte und etablierte Systeme. Allerdings gebe es noch große Förderungslücken, wie zum Beispiel die starre Altersgrenze von 30 Jahren im BAföG, die altersdiskriminierend wirke. wie Bosch kritisiert. Wer aus eigener Initiative als Erwachsener über dieser Altersgrenze einen Berufs- oder Schulabschluss nachholen will, wird nicht gefördert.

 Für die Weiterbildung im Rahmen des zu erwartenden massiven Strukturwandels infolge der Digitalisierung, der Energiewende und dem Ausbau der Elektromobilität fehlten noch Konzepte. Diese Lücken gelte es vorrangig zu schließen. Mit einer überschaubaren Anzahl von Stellschrauben ließen sich die beiden BAföG-Systeme und die Arbeitsmarktpolitik zu einem schlüssigen öffentlichen Fördersystem für lebenslanges Lernen ausbauen, schlägt Bosch vor. Dazu sollten u.a. die Altersgrenzen im BAföG aufgehoben und die Förderzwecke um die Anerkennung ausländischer Abschlüsse und die Zertifizierung informell erworbener Kompetenzen erweitert werden. Zudem sollte eine zweite Berufsausbildung unterstützt werden, wenn der erlernte Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann, und eine Weiterbildungs-Teilzeit ermöglicht werden. Wer arbeitslos ist und sich qualifiziert, müsse ein Weiterbildungsgeld erhalten, das deutlich über dem Arbeitslosengeld liegt. Weiter schlägt Bosch ein Fachkräftestipendium nach österreichischem Vorbild für eine Berufsausbildung in Mangelberufen vor, einen Weiterbildungsfonds in der Leiharbeitsbranche, ein Transformationskurzarbeitergeld sowie das Recht auf Freistellung für Vollzeit- oder Teilzeitmaßnahmen.

Bosch, Gerhard 2019: Öffentliche Finanzierung von Weiterbildung im Strukturwandel: Vorschläge zu einem stimmigen Gesamtsystem. Working Paper der HBS-Forschungsförderung Nr. 158. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung

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Erstklassige Doktorandenausbildung in Mülheim: Graduiertenschule wird um 6 Jahre verlängert
(Quelle: Max-Planck-Institut für Chemische Energiekonversion / Stand: 09.03.2020)

Die Zusammenarbeit in Form der International Max Planck Research School RECHARGE zwischen dem MPI CEC, den Universitäten Bochum, Bonn, Duisburg-Essen, und dem Max-Planck-Institut für Kohlenforschung wird für die nächsten sechs Jahre fortgesetzt. Die Schule bietet ein dreijähriges strukturiertes Ausbildungsprogramm für Doktoranden, das mit einer Promotion abschließt. Teilnehmen können Absolventen der Chemie, Physik und verwandter Fächer. Seit ihrer Gründung im Jahr 2015 hat die International Max Planck Research School for Reactive Structure Analysis for Chemical Reactions (IMPRS-RECHARGE) 29 Doktoranden aufgenommen; sechs junge Wissenschaftler/innen haben ihre Doktorarbeit bisher erfolgreich verteidigt. Nun wurde die IMPRS-RECHARGE von der Max-Planck-Gesellschaft bis 2026 verlängert.

Ab dem Spätsommer können sich exzellente Master-Studenten für eine der Doktorandenstellen bewerben. Die besten Bewerber werden zu einem Auswahlkolloquium eingeladen und können ihre Promotion im Januar 2021 beginnen. Die International Max Planck Research Schools (IMPRS) sind seit dem Jahr 2000 ein fester Bestandteil des Doktorandenprogramms der Max-Planck-Gesellschaft. Talentierte Nachwuchswissenschaftler erhalten die Möglichkeit, unter hervorragenden Bedingungen zu promovieren. Derzeit gibt es insgesamt 65 IMPRS, davon 28 in der chemisch-physikalisch-technischen Sektion, 25 in der biologisch-medizinischen Sektion und 12 in der geisteswissenschaftlichen Sektion.

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Deutsche Aktionstage Nachhaltigkeit 2020: Mitmachen und Aktionen anmelden!
(Quelle: Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW e.V. / Stand: 09.03.2020)

Gesucht werden wieder #tatenfuermorgen: Die Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit 2020 laden zum Mitmachen ein. Bundesweit können alle – egal ob Privatperson, Verein, Unternehmen, (Hoch)schule, Kommune oder Kirche – ihre nachhaltige Aktion einreichen. In diesem Jahr werden die Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit vom 30. Mai bis zum 5. Juni 2020 veranstaltet. Mitmachen können alle, die sich mit einer konkreten Aktion für die Umsetzung der globalen Ziele für Nachhaltige Entwicklung (SDGs) der Vereinten Nationen einsetzen wollen. Es werden auch diesmal Aktionen im Zeitraum vom 25. Mai bis inklusive 10. Juni berücksichtigt.

Was steckt dahinter? – Die Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit sind 2012 vom Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) ins Leben gerufen worden. Anlass war die Weltkonferenz der Vereinten Nationen über Nachhaltige Entwicklung (Rio+20). Allein im Jahr 2019 fanden insgesamt 3.248 Aktionen während der Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit statt. Unter #tatenfuermorgen kann man die Aktionen auch in den Sozialen Netzwerken verfolgen!

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