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Schwarzes Brett

Neues Gedenkbuch erinnert an die jüdischen Opfer der NS-Zeit / Neue ISG-Datenbank erleichtert Recherche
(Quelle: Institut für Stadtgeschichte Gelsenkirchen (ISG)/ Stand: 10.09.2020)

Ein neues Gedenkbuch erinnert an die jüdischen Menschen, die zwischen 1933 und 1945 in Gelsenkirchen von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Es war der Gelsenkirchener Hobby-Historiker Karl-Heinz Rotthoff, der die Idee zu dieser Publikation hatte und jahrelang recherchierte, Namen und Schicksale zusammentrug und gemeinsam mit der Grafikerin Nicole Cub und dem Buchbinder Dietmar Klein zu einem Buch ausarbeitete. „Ich möchte, dass die Opfer der NS-Zeit in Gelsenkirchen nicht vergessen werden. In diesem Gedenkbuch sind die Namen und die Daten aller jüdischen Gelsenkirchener Opfer des Holocaust erstmals vereint, bislang wurden die Listen der jüdischen ungarischen Zwangsarbeiterinnen und der jüdischen Bürger dieser Stadt getrennt voneinander gezählt", erklärte Karl-Heinz Rotthoff, der zudem betonte, dass sich bei der Recherche höhere Opferzahlen als bislang bekannt ergeben hatten. Rotthoff stellte ihren Namen und Daten jüdisch-religiöse Elemente wie Schma Jisrael, das jüdische Glaubensbekenntnis, zur Seite.

Erinnerung an Einzelschicksale
Oberbürgermeister Frank Baranowski nahm das Buch während einer Feierstunde im Ratssaal entgegen und dankte Karl-Heinz Rotthoff für seine unermüdlichen Recherchen. „Dieses Gedenkbuch macht deutlich: Hinter der enormen Zahl an Opfern nationalsozialistischer Gewalt standen Menschen, Individuen, Personen wie Sie und ich. Eine einzelne Frau, ein einzelner Mann, ein Kind, ein Jugendlicher. Dieses Buch gibt uns die Chance, uns mit den einzelnen Personen zu beschäftigen – und dadurch ein ganz individuelles Gedenken zu finden. Es gibt den einzelnen Menschen die Würde, die ihnen zusteht. Es behandelt sie so, wie es eigentlich geboten ist: als Person mit einer individuellen Geschichte und eigener Identität", so Baranowski. Er hoffe, dass das Buch von möglichst vielen Generationen in die Hand genommen und gelesen werde, betonte er zugleich.

Gedenkbuch liegt öffentlich aus
Das Gedenkbuch wurde mit Mitteln der Bürgerstiftung Gelsenkirchen, der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Gelsenkirchen e.V. sowie des Instituts für Stadtgeschichte finanziert und wird künftig an zentralen Orten in der Stadt Gelsenkirchen einsehbar sein - zum Beispiel im Bildungszentrum, in der Jüdischen Gemeinde, im Institut für Stadtgeschichte und in der Dokumentationsstätte „Gelsenkirchen im Nationalsozialismus".

Neue Datenbank erleichtert Recherche
Die intensiven Recherchen für das Buch hat das Team des Instituts für Stadtgeschichte (ISG) zum Anlass genommen, eine Online-Datenbank zu erarbeiten, die Recherchen zu den jüdischen Holocaust-Opfern aus Gelsenkirchen erleichtern soll. „Bislang mussten die Namen und Daten aus verschiedenen Datenbanken zusammengesucht werden. Unser neues Portal ermöglicht es erstmals, jetzt alle Daten und Hinweise zu den Schicksalen der jüdischen Opfer der NS-Zeit zwischen 1933 und 1945 aus dieser Stadt systematisch zu erfassen, sowohl die jener Menschen, die schon lange in der Stadt ansässig waren, als auch die jener, die nur vorübergehend hier lebten. Diese Datenbank hat maßgeblich von Karl-Heinz Rotthoffs Recherchen für das Gedenkbuch profitiert", erklärte Institutsleiter Dr. Daniel Schmidt. Im Rahmen der Feierstunde Ende August wurde eine Beta-Version der neuen Datenbank freigeschaltet. Sie soll stetig mit weiteren Rechercheergebnissen angereichert werden.

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Gutachten des ILS zeigt: Zu wenig Bauland in NRW-Großstädten
(Quelle: ILS-Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung / Stand: 10.09.2020)

In Zusammenarbeit mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) haben sich Prof. Dr. Stefan Siedentop und Prof. Dr. Stefan Fina vom ILS mit der Verfügbarkeit bebaubarer Flächen für den Wohnungsbau in den kreisfreien Städten und Landkreisen Nordrhein-Westfalens (NRW) beschäftigt. Die Studie zeigt, dass in den angespannten Wohnungsmärkten bebaubare Flächen fehlen, während in ländlichen Regionen nicht selten eine Überangebotssituation besteht. Eine erfolgreiche Wohnungspolitik muss deshalb darauf fokussieren, Bauland umfangreicher, schneller und kostengünstiger zu entwickeln und einer Bebauung zuzuführen.

Im Zeitraum 2016 bis 2018 wurde in Bonn und Münster im Vergleich mit anderen Städten in NRW mit jeweils 4,7 Wohnungen pro 1.000 Einwohner und Jahr am meisten gebaut. An dritter Stelle liegt Düsseldorf mit 4,3 Wohnungen pro 1.000 Einwohner und Jahr. Ein Blick auf die tatsächlich benötigten Wohnungen zeigt aber, dass beispielsweise in Münster zwischen 2016 bis 2018 2.450 Wohnungen pro Jahr zu wenig gebaut wurden. Ein ähnliches Ergebnis gibt es für die Stadt Bonn. In Köln fehlen für den genannten Zeitraum sogar 6.900 Wohnungen pro Jahr. Somit deckt die größte Stadt in NRW nur 46% des Wohnraumbedarfs.

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Expertise zum Achten Altersbericht der Bundesregierung: Digitale Teilhabe und (digitale) Exklusion im Alter
(Quelle: Institut für Gerontologie / Stand: 10.09.2020)

Der Achte Altersbericht der Bundesregierung (Ältere Menschen und Digitalisierung) wurde am 12.08.2020 von Bundesseniorenministerin Dr. Franziska Giffey, dem Leiter der Altersberichtskommission Prof. Dr. Andreas Kruse und dem BAGSO-Vorsitzenden und ehemaligen FfG-Vorstandsmitglied Franz Müntefering vorgestellt. Der Bericht, den das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Kürze auch in voller Länge veröffentlichen wird, geht den Auswirkungen der Digitalisierung auf das Leben im Alter nach und untersucht dabei verschiedene Lebensbereiche. Ein Team von Wissenschaftler*innen am Institut für Gerontologie an der TU Dortmund, Anja Ehlers,Dr. Moritz Heß,Dr. Susanne Frewer-Graumann, Dr. Elke Olbermann und Philipp Stiemke, hat für diesen Altersbericht eine Expertise zum Thema ‚Digitale Teilhabe und (digitale) Exklusion im Alter' erstellt, die ab sofort frei zugänglich ist. Die Autor*innen gehen insbesondere auf ältere Menschen mit niedrigem sozioökonomischen Status, im ländlichen Raum, mit Migrationshintergrund sowie mit Behinderungen und Multimorbidität unter Berücksichtigung von Gender-Aspekten ein. Auf Basis einer Literaturrecherche kommen die Autor*innen zu dem Schluss, dass für die untersuchten Gruppen ein erhöhtes Risiko einer digitalen Exklusion besteht.

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Urbane Produktion: Schokolade und Pesto statt Kohle und Stahl
(Quelle: Institut Arbeit und Technik / Stand: 10.09.2020)

Statt Koks, Eisen und Stahl werden in Bochum, Gelsenkirchen und Herne schon heute Schokolade, Öle und Pesto hergestellt. Auch Pilze, Stoffwindeln, Möbel, Maßschuhe, Gemüse und Käse gehören zu den Produkten, die in anderen Regionen „urban" in direkter Nähe von Stadtbewohner*innen produziert werden. Im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projektes „UrbaneProduktion.Ruhr (II) hat das Team – bestehend aus dem Institut Arbeit und Technik (IAT/ Westfälische Hochschule), der Hochschule Bochum, den Urbanisten e.V., der Wirtschaftsentwicklung Bochum sowie der Wirtschaftsförderung Gelsenkirchen – eine Wanderausstellung konzipiert.

Ziel der Ausstellung ist es, Ein- und Ausblicke rund um das Thema „Urbane Produktion" sowie bisher gewonnene Erkenntnisse rund um die Produktion im urbanen Raum auch außerhalb der wissenschaftlichen Schauplätze an Interessierte zu vermitteln und Besucher*innen für das Thema zu sensibilisieren. Wer wo warum und wie in der Stadt produziert, beschäftigt das Team seit dem Start des Projektes „UrbaneProduktion.Ruhr" im Jahr 2016. Die Förderung wurde Anfang des Jahres 2020 um zwei weitere Jahre verlängert.

Die Wanderausstellung zeigt die vielen Facetten städtischer Produktion, stellt produzierende Unternehmen und Gründungen – insbesondere aus dem mittleren Ruhrgebiet – vor und zeigt Möglichkeiten, Herausforderungen und Vorteile von wohnortnaher Produktion auf. Die Themen reichen von lebenswerten Quartieren und nachhaltiger Ökonomie über architektonische Lösungen und gläserne Produktion bis zu neuen und zukunftsfähigen Konzepten für Logistik und Handwerk.

Die Wanderausstellung beginnt mit einer Vernissage am 2. September 2020 in Bochum Langendreer (02.09.-11.09.), wandert dann nach Wattenscheid (21.09.-05.10.), anschließend nach Herne (19.10.-19.11.) und Gelsenkirchen (20.11.-09.12.), bevor sie im kommenden Jahr ihren Abschluss wieder in Bochum findet. Neben der Ausstellung gibt es an jedem Ausstellungsort ein spannendes Rahmenprogramm, für das um eine Anmeldung gebeten wird.

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Chinesische Investitionen im Ruhrgebiet: Strukturwandel über die 'neue Seidenstraße'?
(Quelle: Institut Arbeit und Technik / Stand: 10.09.2020)

Das Ruhrgebiet als ehemalige Kohle- und Stahlregion hat in den letzten Jahrzehnten im globalen Wettbewerb deutliche Verluste hinnehmen müssen. China dagegen profitiert eindeutig von der Globalisierung. Flankiert von wirtschafts- und außenpolitischen Reformen verzeichnet das Land seit den 1990er Jahren ein rasantes Wirtschaftswachstum. Deutschland wurde in den letzten Jahren ein wichtiges Zielland für chinesische Direktinvestitionen, so auch NRW und das Ruhrgebiet. Das Institut Arbeit und Technik (IAT/Westfälische Hochschule Gelsenkirchen) hat untersucht, ob damit der »technologische Ausverkauf« der Region zu befürchten ist, oder ob chinesische Unternehmen auch neue Impulse setzen können.

Tausende chinesische Firmen haben in den letzten Jahren Niederlassungen in Deutschland gegründet. Nordrhein-Westfalen ist mit mehr als 1.200 Firmen zum beliebtesten Bundesland für chinesische Investoren geworden. Im Ruhrgebiet haben sich über 200 Firmen aus China niedergelassen, darunter gab es einige große Firmenübernahmen (z.B. ThyssenKrupp Tailored Blanks GmbH, Schwing-Stetter GmbH, Medion, Aluminiumwerke Unna), in der Mehrheit jedoch Klein- und Kleinstunternehmen. Rund 40 Prozent sind in Duisburg angesiedelt. Im Zuge des chinesischen Großprojektes »Belt and Road Initiative« (BRI) ist Duisburg zu einem wichtigen Knotenpunkt geworden. Die BRI soll auf dem Landweg über die »Neue Seidenstraße« und per Schiff auf der »Maritimen Seidenstraße« die Anbindung von Chinas Westen an Europa und Zentralasien deutlich verbessern, um damit langfristig neue Absatzmärkte und kürzere Transporte zu generieren. Im Duisburger Güterbahnhof enden mehrere Güterzugverbindungen zwischen Deutschland und China. Die Ladung wird in Duisburg verschifft oder auf LKW geladen und nach ganz Europa transportiert. So hat sich die Stadt zu einem wichtigen Logistik-Standort für chinesische Firmen entwickelt, aber auch zu einem Hotspot für Firmen im E-Commerce Bereich.

Wie das IAT anhand von Fallstudien aufzeigt, können einige krisengeplagte Unternehmen durchaus eine positive Bilanz nach fast zehn Jahren chinesischer Beteiligung ziehen. Die große Angst des technologischen Ausverkaufs deutscher »Hidden Champions« nach China bleibt hier unbegründet, so das Autorenteam Alessio Giustolisi und Dr. Judith Terstriep. Ferner zeigten die Entwicklungen rund um die BRI, dass, wenngleich direkte Arbeitsplatzeffekte durch chinesische Firmen im Ruhrgebiet ausbleiben, durchaus wichtige Impulse in einigen Branchen gesendet werden. So investierten chinesische Unternehmen primär in die Branchen Handel und Logistik. Hier ist besonders der Bereich E-Commerce hervorzuheben, eine Branche, die in den letzten Jahren deutlich gewachsen ist und auch in Zukunft zunehmen wird.

>> Giustolisi, Alessio / Terstriep, Judith: 2020: Chinesische Investitionen im Ruhrgebiet: Eine Chance für den Strukturwandel? Internet-Dokument. Gelsenkirchen: Inst. Arbeit und Technik. Forschung Aktuell, Nr. 09/2020

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